Startseite Roadtrips, die unter die Haut gehenOneway-Trips Route der Industriekultur: Geschichte und Kunst im Ruhrgebiet

Route der Industriekultur: Geschichte und Kunst im Ruhrgebiet

von Julia

Letztes Update: 04.05.2020

Lust auf einen Roadtrip der besonderen Art? Auf der Route der Industriekultur lernen Sie die interessantesten Orte des Ruhrgebiets mit all ihren Facetten kennen: vom Welterbe des Zollvereins in Essen über die Himmelstreppe in Gelsenkirchen bis hin zum Hammer Maximilianpark. Und noch viel mehr! Wir stellen Ihnen auf unserer Mietwagen-Rundreise einen Teil dieser besonderen Strecke vor.

Inhaltsverzeichnis
1. Dortmund
2. Essen
3. Bochum
4. Duisburg
5. Gelsenkirchen
6. Herten
7.Castrop-Rauxel
8. Hamm

Route der Industriekultur: Infos zum Roadtrip

Stationen: 8
Stecke: 261 km
Fahrzeit: ca. 4 h
Reisedauer: 1 – 3 Tage
Beste Reisezeit: April bis Oktober
Wissenswertes: Bei der Route der Industriekultur handelt es sich weniger um einen Roadtrip, sondern vielmehr um ein Netzwerk, das sich aus zahlreichen Museen, Panoramen und historisch bedeutenden Siedlungen zusammensetzt. Auf 400 Kilometern gibt es rund 54 Hauptattraktionen, die einen Einblick in die 150-jährige Industriegeschichte des Ruhrgebiets geben. Mit dem Mietwagen ab Dortmund bleiben Sie zeitlich flexibel, man kann die deutsche Ferienstraße aber auch mit dem Fahrrad erkunden.

Karte zentrieren

1. Route der Industriekultur: Start in Dortmund

Zeche Zollern in Dortmund

Blick auf die Zeche Zollern in Dortmund © saiko3p – stock.adobe.com

Unsere Route der Industriekultur startet in Dortmund, wo es zunächst in die Zentralkokerei Hansa geht. Sie ist eine der letzten erhaltenen Kokereien des Ruhrgebiets und entstand in den 1920er Jahren als Teil eines Produktionsverbundes von Kokerei, Berg- und Hüttenwerk. Die 1992 stillgelegte Hansa befindet sich heute in der Obhut der Industriedenkmalpflege-Stiftung und kann auf einem Erlebnispfad besichtigt werden. In der Großskulptur gibt es unter anderem eine sehr eindrucksvolle Kompressorenhalle mit riesigen Maschen und einen Kohlenturm, von dem Sie einen spektakulären Panoramablick auf Dortmund haben.

📌 Lesetipp: Deutschlands Ferienstraßen: die spannendsten Themenrouten

Die Zeche Zollern wurde von ihren Zeitgenossen auch gerne als das Schloss der Arbeit bezeichnet. Beim Anblick der pompösen Backsteinfassade mit ihren auslaufenden Giebeln fühlt man sich tatsächlich an eine alte Festungsanlage erinnert. Dabei sollte dieses Schmuckstück unter den Steinkohle-Bergwerken nach seiner Stilllegung in den 1960er Jahren zunächst abgerissen werden. Zum Glück entschied man sich dagegen, sodass Sie noch heute das eindrucksvolle Portal im Jugendstil bewundern können, dass in die Maschinenhalle führt.

Symbol-tipp Kultur-Tipp
Lassen Sie sich die Dauerausstellung der Zeche Zollern II/IV als bedeutender historischer Teil der Industriekultur-Route auf keinen Fall entgehen. Sie erstreckt sich auf gleich mehrere Gebäude des ehemaligen Bergwerks. Mehr Infos zur Ausstellung finden Sie hier.

 

2. Essen: beim Eiffelturm des Ruhrgebiets

Kontrollraum in der Zeche Zollern Essen

Kontrollraum in der Zeche Zollern Essen © mezzotint_fotolia – stock.adobe.com

In Essen erwartet Sie nicht nur das zentrale Besucherzentrum der Route der Industriekultur, sondern auch der sogenannte Eiffelturm des Ruhrgebiets. Hauptattraktion ist hier das wunderschöne Welterbe Zeche Zollverein, das als Wahrzeichen des alten und auch neuen Ruhrgebietes gilt. Das Gelände des 1851 in Betrieb genommenen und 1993 stillgelegten Steinkohle-Bergwerks ist ca. 100 Hektar groß und somit die ehemals größte Steinkohlezeche der Welt. 2001 wurde Sie zum Welterbe ernannt. Während hier früher Kohle gefördert und zu Koks veredelt wurde, stehen heute Kunst und Kultur auf dem Programm: Neben dem 2010 eröffneten Ruhr-Museum und dem Park des Zollvereins wartet die Zeche Zollverein mit einem wirklich eindrucksvollen Angebot an Konzerten, Theateraufführungen, Lesungen, Ausstellungen und Festivals auf.

Symbol-Parken Kostenlos Parken
Das Parkdeck auf der Kokerei ist kostenpflichtig( 1,80 €/Stunde, Tagesticket 7,50 €). Weichen Sie stattdessen auf die kostenfreien Parkplätze auf der Zeche (A1, A2 und B) als auch auf der Kokerei (C) aus. Diese sind ausgeschildert.

 

Ebenfalls sehenswert ist die Villa Hügel, die 1873 von Alfred Krupp erbaut wurde und bis 1945 als Wohnsitz und Repräsentationsort der Industriellenfamilie diente. Das im Essener Stadtteil Bredeney gelegene Anwesen ist mit 269 Räumen und einer 8.100 qm großen Nutzfläche ausgestattet – der dazugehörige Park ist wiederum stolze 28 Hektar groß. Als Symbol der Industrialisierung Deutschlands finden in der Villa heute regelmäßig größere Kunstausstellungen statt, bei denen unter anderem auch die Geschichte der Familie und des Unternehmens Krupp thematisiert werden – für Geschichtsinteressierte auf der Industriekultur-Route ist die Villa Hügel daher ein absolutes Muss.

3. Bochum: ein Blick über das Ruhrgebiet

Blick vom Tippelsberg in Bochum

Der Blick vom Tippelsberg in Bochum © ErnstPieber – stock.adobe.com

In Bochum angekommen geht es zum Tippelsberg, der eine natürliche Erhebung im Norden der Stadt und Naherholungsgebiet zugleich ist. Kindern wird gerne erzählt, der Tippelsberg sei nach einem Riesen namens Tippulus benannt, der bei einer Pause auf seiner Wanderschaft einen Lehmklumpen von seinem Schuh entfernte und hierhin warf. Tatsächlich entstand der Berg jedoch als Bauschuttdeponie während der 1980er und 1990er, wodurch er bis heute eine Höhe von 40 Metern erreicht hat. Vom Gipfelplateau mit dem Kreuz des Tippelsberges haben Sie einen wunderschönen Blick auf Bochum, Herne und das mittlere Ruhrgebiet.

Weiter geht es zur Dahlhauser Heide, die auch gerne Kappeskolonie genannt wird. Sie wurde vom Unternehmen Krupp für die Bergleute der Zechen Hannover – Hannibal ab 1906 errichtet und ist die Anfahrt allemal wert: Die im Heimatstil angelegten Bauten im nördlichen Stadtteil Hordel erinnern mit ihren tiefen Dachtraufen und hölzernen Fassaden an typisch westfälische Bauernhöfe. Fast jedes Haus hat einen kleinen, idyllischen Vorgarten, an denen Sie auf den Spuren der Industriekultur-Route gemütlich entlang spazieren können.

4. Duisburg: Tiger, Schildkröten und die Seefahrt

Kunstinstallation Tiger & Turtle in Duisburg

Die Kunstinstallation Tiger & Turtle in Duisburg © Roland Abel – stock.adobe.com

Die verte Station auf der Route der Industriekultur ist Duisburg, auf dessen Heinrich-Hildebrand-Höhe im Angerpark das begehbare Kunstwerk Tiger & Turtle thront. Hierbei handelt es sich um einen rund 2,7 Kilometer langen, spiralförmigen Weg, der auf den Gipfel zur spektakulären Landmarke des Parks führt. 2010 richtete die Stadt im Rahmen des Kulturhauptstadt RUHR-Projekts einen Wettbewerb aus, bei dem die rund 20 Meter hohe Achterbahn-Skulptur des Künstlerduos Ulrich Genth und Heike Mutter gewann. Das großartige Gipfelpanorama können Sie natürlich jederzeit bewundern – am schönsten ist es hier jedoch am Abend, wenn das Kunstwerk als leuchtendes Lichtband am Himmel steht.

📌 Lesetipp: NRW: 4 coole Ausflüge mit Kindern bei schlechtem Wetter

Der Alsumer Berg ist eine ehemalige Schuttdeponie, die sich rund 50 Meter über den Rhein erhebt und zur Grünfläche umgestaltet wurde. Von hier bietet sich Ihnen ein geradezu filmreifer Rundblick über die Industriekulissen der Umgebung: vom Duisburger Norden mitsamt ThyssenKrupp Steel-Werksgelände über die Hamborner Ofengruppe bis hin zur Kokerei und den Hochöfen Schwelgern. Zudem ist Duisburg auch als Heimathafen der deutschen Binnenschifffahrt bekannt. Das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt ist seit 1998 im ehemaligen Ruhrorter Hallenbad untergebracht und stellt unter anderem im Herrenbad einen Lastkahn von 1913 aus – wohlgemerkt unter vollen Segeln. Im Damenbad können Sie den Nachbau des Schiffs betreten, das oft auch als Veranstaltungsfläche für Themen- und Diskussionsabende genutzt wird.

Symbol-tipp Tipp
Ganz in der Nähe des Museums liegen am Steiger Schifferbörse übrigens zwei weitere Schiffe, die Sie im Rahmen der Route der Industriekultur besichtigen können– darunter auch der letzte Radschleppdampfer namens Oscar Huber.

 

5. Gelsenkirchen: Himmelstreppen und Arbeitersiedlungen

Himmelstreppe auf der Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen

Die Himmelstreppe auf der Halde Rheinelbe © Frank Ebert – stock.adobe.com

Von Duisburg geht es auf der Route der Industriekultur nun nach Gelsenkirchen, wo Sie mit dem Mietwagen zuerst die Halde Rheinelbe ansteuern. Die Zeche Rheinelbe wurde 1861 gegründet und bereits 1928 wieder stillgelegt. Allerdings wurden die Halden auf dem Zechengelände weiterhin nach Bedarf aufgeschüttet und abgetragen, weshalb sich im Verlauf der Zeit auch das Bergmaterial anderer Zechen hier ansammelte. 1999 erfolgte die letzte Aufschüttung und die Halde wurde nach ihrer Begrünung für die Öffentlichkeit freigegeben. Den auf das Plateau aufgesetzten Spitzkegel erreichen sie über spiralförmig angeordnete Wege, weshalb die Halde Rheinelbe auch gerne Spiralberg genannt wird. Zudem sollten Sie sich den Skulpturenwald auf dem Gelände ansehen – der Künstler Hermann Prigann hat auf der Halde und ihrer Umgebung Abfall-Materialien des Industriezeitalters für seine Kunstwerke genutzt.

Symbol-tipp Kunst-Tipp
Nahe der ebenfalls sehenswerten Zechensiedlung Schüngelberg liegt weiterhin das Naherholungsgebiet der ausgebauten Halde Rungenberg. Mit ihren 60 Metern Höhe gehört sie zu den höchsten Halden im Ruhrgebiet, auf deren beiden Pyramidenspitzen das Kunstwerk Nachtzeichen thront. Es besteht aus zwei riesigen Scheinwerfern, deren Strahlen sich bei Dunkelheit am Nachthimmel kreuzen und so die imaginäre Haldenspitze ergeben – hier schauen Sie auf Ihrer Industriekultur-Route am besten abends vorbei!

 

6. Herten: im Herzen des Ruhrgebiets

Zeche Ewald in Herten

Blick über die alte Zeche Ewald in Herten © luna1904 – stock.adobe.com

In Herten gelangen Sie an eine der mitunter spannendsten Stationen der Route der Industriekultur: den Landschaftspark Hoheward. Das 2004 begonnene Rekultivierungsprojekt im Norden des Ruhrgebiets setzt es sich zum Ziel, ehemalige Industrieflächen und Bergehalden zu einer Erholungsparklandschaft umzugestalten. Vor allem im Emscherbruch gibt es viele Waldtümpel und Wassergräben, die mit der reichen Vegetation des später entstandenen Industriewaldes ein wirklich eindrucksvolles Landschaftsbild ergeben.

Teil des Landschaftsparks ist auch die im Jahr 2000 stillgelegte Zeche Ewald, an deren Standort Sie sich auf der Industriekultur-Route die markante Zechenarchitektur aus drei verschiedenen Bergbau-Epochen ansehen können. Zu diesen zählen neben dem Malakowturm aus den 1850er Jahren auch der Schacht 2 mit seiner 1928 entstandenen Schachthalle sowie das Doppelstrebengerüst des 7. Zentralschachts. Eindrucksvoll sind ebenso die beiden geschwungenen Stahlbögen des 2008 errichteten Horizontobservatoriums auf dem nördlichen Gipfelplateau. Dazu passend steht auf dem südlichen Plateau des Parks noch eine rund 3.000 m² große Horizontalsonnenuhr.

7. Castrop-Rauxel: Kunst in der Berghalde Schwerin

Skulptur auf der Halde Schwerin in Castrop-Rauxel

Die Sonnenuhr auf der Halde Schwerin in Castrop-Rauxel © Maximilian – stock.adobe.com

Die Bergehalde Schwerin, die 1967 stillgelegt wurde, erstreckt sich über ein Gesamtfläche von ca. 14,5 Hektar. Ab Mitte der 1990er Jahre wurde sie im Rahmen der Internationalen Bauaustellung Emscherpark durch einzelne Künstler und engagierte Bürger weiter ausgestaltet und gepflegt. Heute zählt sie mit ihren zahlreichen Kunstinstallationen zu den ganz besonderen Berghalden auf der Route der Industriekultur.

📌 Lesetipp: Die schönsten Lost Places in NRW

So gibt es auf dem rund 147 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Gipfel der Halde wahrlich Großes zu sehen: Die gigantische, von Jan Bormann entworfene Sonnenuhr misst einen Durchmesser von etwa 16,5 Metern. Die vier zum Hügel hinaufführenden Wege sind ebenfalls genau nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet und bilden so gemeinsam mit der Sonnenuhr das Kunstwerk Geokreuz. Zudem sollten Sie sich auf der Industriekultur-Route den Wassertempel von Peter Stege und die Sinuspergola von Klaus Corzilius ansehen. Alle Künstler verwendeten bei der Herstellung der Kunstwerke wohlgemerkt ausschließlich Materialien aus dem Bergbau – wodurch nicht nur der geschichtliche Bezug ersichtlich, sondern wieder mal bewiesen wird, wie sehr sich Recycling doch lohnen kann!

8. Hamm: Abschluss der Route der Industriekultur

Haldenzeichen auf der Kissinger Höhe in Hamm

Haldenzeichen auf der Kissinger Höhe in Hamm © FotoStuss – stock.adobe.com

In der Hammer Großstadt steuern Sie mit Ihrem Mietwagen zunächst den beliebten Freizeitpark auf der ehemaligen Zeche Maximilian an. 1984 wurde das Gelände im Rahmen der Landesgartenschau zum Maximilianpark umgestaltet, der heute zu den mitunter beliebtesten Stationen auf der Route der Industriekultur zählt. Neben dem größten tropischen Schmetterlingshaus in ganz NRW sollten Sie das ehemalige Gebäude für die Kohlenwäsche besuchen, das inzwischen zum Hammer Wahrzeichen geworden ist. Die begehbare Plastik des Glaselefanten hat im Rüssel einen Aufzug, mit dem Sie in den Kopf des Gebäudes gelangen. Aus 35 Metern Höhe haben Sie einen wunderschönen Ausblick über den Maximilianpark und das Hammer Umland.

Vom Maximilianpark geht es nun zur letzten Bergehalde auf der Route der Industriekultur in NRW: Die Kissinger Höhe hat eine Fläche von ca. 39 Hektar und überragt ihr Umland in 58 Metern Höhe. Auf der Halde wurden nach ihrer Nutzung für den Bergbau ab 1998 circa 500.000 Bäume und Sträucher gepflanzt – eine Grünfläche mit einem Ausblick, den Sie so schnell nicht wieder vergessen werden. Lohnenswert ist auf dem Gelände der Kissinger Höhe auch der Bergbaulehrpfad, auf dem Sie einiges über das Leben unter Tage in Erfahrung bringen können. Nach einem ausgiebigen Spaziergang über die insgesamt rund 17 Kilometer langen Wanderwege der Bergehalde geht es schließlich wieder zurück nach Dortmund.

Titelbildquelle:#64289910| Urheber: © reeel – stock.adobe.com

Julia

Das könnte Ihnen auch gefallen

2 Kommentare

blank
Gudrun Lethmate 26. Januar 2018 - 20:02

Es handelt sich bei der von Ihnen beschriebenen Route um die Route der Industriekultur im Ruhrgebiet – nicht Rhein-Main.

Antworten
blank
Alex 29. Januar 2018 - 8:08

Hallo Frau Lethmate,

da hat sich wohl ein kleiner Fehler eingeschlichen. Danke für den Hinweis.
Glücklicherweise wird im Text ja oft genug erwähnt, dass wir uns hier im Ruhrgebiet befinden. Da dürfte keine große Verwirrung entstehen 🙂

Viele Grüße
Alex

Antworten

Schreiben Sie uns