Startseite Roadtrips, die unter die Haut gehen Traumhafte Baltikum-Rundreise für Selbstfahrer

Traumhafte Baltikum-Rundreise für Selbstfahrer

von Julia
Blick über die Stadt Riga und die Düna in Lettland

Die baltischen Staaten gehören nicht gerade zu den Ländern, die man mit einem Roadtrip verbindet – dabei sprechen so viele Dinge für eine Mietwagen-Tour quer durch Litauen, Estland und Lettland. Die unterschätzte Perle Europas bietet unberührte Natur, alte Hansestädte und sogar einige UNESCO-Weltkulturerbstätten. Außerdem ist das Land schnell erreichbar und touristisch (noch) nicht so sehr überlaufen wie andere Länder. Wir nehmen Sie mit auf eine zweiwöchige Baltikum-Rundreise und verraten Ihnen, was es als Selbstfahrer auf baltischen Straßen zu beachten gibt. 

Inhalt: Baltikum-Rundreise für Selbstfahrer
Die wichtigsten Infos zu Ihrer Rundreise
Anreise in die baltischen Staaten
1.Station: Vilnius, Litauen
2.Station: Wasserburg Trakai, Litauen
3.Station: Klaipėda und Kuhrische Nehrung, Litauen
4.Station: Berg der Kreuze, Litauen
5.Station: Riga, Lettland
6.Station: Tallinn, Estland
7.Station: Lahemaa-Nationalpark, Estland
8.Station: Tartu, Estland
9.Station: Peipussee, Estland
10.Station: Gauja-Nationalpark, Lettland
11.Station: Schloss Rundāle, Lettland
Wichtige Infos zu Maut und Verkehrsregeln
Budget
Bestes Reisewetter

Los geht’s: Anreise in die baltischen Staaten

Als Ausgangspunkt für einen Roadtrip durch die baltischen Staaten als Selbstfahrer bietet sich eine der drei Hauptstädte von Litauen, Lettland oder Estland an. Alle Flughäfen werden von deutschen Städten aus täglich angeflogen. Wir haben uns für die litauische Hauptstadt Vilnius entschieden, um uns vom Süden bis in den Norden vorzuarbeiten. Ihren Mietwagen in Vilnius holen Sie dann nach der Landung bequem am Flughafen ab. 

Wer mehr Zeit hat, könnte seinen Mietwagen bereits in Deutschland abholen und über Polen in die baltischen Staaten fahren. Mit malerischen Städten wie Breslau und echten Natur-Highlights hat unser Nachbarland einiges zu bieten. Mit dem Mietwagen ab Berlin brauchen Sie knapp zehn Stunden über die A2 bis nach Litauen. Informieren Sie sich aber vorher bei Ihrem Vermieter darüber, ob Grenzfahrten erlaubt sind! 

Symbol Hinweis Grenzfahrten im Baltikum
Bei nahezu allen Vermietern sind Grenzfahrten innerhalb des Baltikums erlaubt. Heißt: Sie können problemlos die Grenzen nach Lettland, Estland oder Litauen überqueren. Schwieriger wird es, wenn Sie noch spontan in ein Land außerhalb der baltischen Staaten fahren möchten – dies ist in den meisten Fällen nur gegen eine Gebühr möglich.

Und schon kann Sie losgehen, unsere Baltikum-Rundreise! Selbstfahrer sollten sich allerdings am Flughafen oder an einer der Tankstellen noch eine faltbare Karte besorgen. Das mag in Zeiten der Mobiltelefone zwar altmodisch klingen, macht aber durchaus Sinn: Ihr Navi wird gerade in den ländlicheren Gegenden nicht immer einwandfrei funktionieren. 

1. Station: Vilnius, Litauen

Vilnius wurde 2018 von dem Reiseführer Lonely Planet zu einer der Top-Destinationen in Europa gewählt. Können wir voll und ganz verstehen: Wer seinen Mietwagen noch eine Weile stehen lässt, der erlebt eine kreative litauische Hauptstadt mit entzückend bunten Häuserfassaden, hübschen Barockbauten und einer ausgezeichneten Küche.

Ihren Spaziergang starten Sie am besten in den kopfsteingepflasterten Gässchen der Altstadt mit den vielen Glockentürmen und Kirchturmspitzen. Dabei werden ihnen immer wieder schneeweiße Engelsskulpturen begegnen, die Fenstersimse, Dächer und Balkone schmücken – sie wurden dort von dem Bildhauer Vaidas Ramoška angebracht, um über die Bewohner der Stadt und die Gebäude zu wachen. 

Eine Engelsstatue wird Ihnen auch auf der Brücke begegnen, die über den Fluß Vilnia in das Künstler-Viertel Užupis führt. Einst als Problemviertel bekannt, mauserte sich der Stadtteil Ende der 1990er Jahre zu einem alternativen Künstlerviertel mit kleinen Galerien, Kneipen und Cafés, Was das Viertel aber so besonders macht, sind ohne Frage seine kreativen und liebenswürdigen Einwohner. 1997 wurde Užupis auf einem Happening zu einer freien Spaß-Republik ernannt, die sogar eine eigene Verfassung mit skurrilen Gesetzen hat. Kleine Kostprobe gefällig? Der erste Artikel lautet: Jeder hat das Recht, beim Fluss Vilnia zu leben, und der Fluss Vilnia hat das Recht, an jedem vorbeizufließen.

Altstadt in Vilnius in Litauen

© MNStudio – stock.adobe.com

Symbol Parken Parken in Vilnius
In Vilnius parkt man durchschnittlich für 2 Euro pro Stunde. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Mietwagen in einem der überwachten Parkhäuser unter dem Savivaldybės-Platz oder in der Tilto-Straße 14 stehen zu lassen – leider sind Diebstähle und Vandalismus in der litauischen Hauptstadt keine Seltenheit.

2. Station: Wasserburg Trakai, Litauen

Gerade einmal 30 Minuten Fahrt sind es bis zu unserer nächsten Station, der spätmittelalterlichen Wasserburg Trakai. Der Fürstensitz aus dem 14. Jahrhundert mit den roten Ziegeln liegt mitten im Galvė-See und ist über eine Holzbrücke zu erreichen. Sehr empfehlenswert ist das historische Museum in den Innenräumen der Burg (8 € Eintritt) mit über 300.000 Exponaten. Hier erfährt man auch etwas über die Geschichte der Karäer: Das jüdische Turkvolk wurde damals von dem litauischen Fürsten aus dem Schwarzmeergebiet angeworben und als Burgwachen in Trakai angesiedelt. 

Unsere Empfehlung: Tauschen Sie den Mietwagen eine Weile gegen eines der Segelboote ein, die vor der Burg gechartert werden können. Es geht vorbei an imposanten Palästen und Herrenhäusern, die idyllisch am Ufer liegen und glatt ein bisschen neidisch machen. Zum Abschluss unbedingt noch in einem der vielen Cafés vorbeischauen und die herzhaften karäischen Kibinai probieren (Teigtaschen mit Fleischfüllung)!

Wasserburg Trakai in Litauen

© neirfy – stock.adobe.com

Symbol Parken Parken in Trakai
Die Wasserburg Trakai gehört mittlerweile zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Baltikums – wer morgens vor dem Touristenandrang aufschlägt, findet leichter einen Parkplatz im Ort (0,80 – 1 Euro pro Stunde).

3. Station: Klaipėda und Kurische Nehrung, Litauen

Von Trakai aus geht es schnurstracks weiter in die Hafenstadt Klaipėda. Die älteste Stadt von Litauen hat eine pittoreske Altstadt mit vielen Fachwerkhäuschen und einen beeindruckenden Hafen, an dem reger Schiffsverkehr herrscht. Von hier aus geht es mit der Auto- oder Personenfähre rüber in den Nationalpark Kurische Nehrung, der wegen seinen hohen Sanddünen auch gerne mal als „Sahara der Ostsee“ bezeichnet wird. Wir müssen zugeben: Wenn man durch den weichen Sand stapft und in die Weite schaut, fühlt man sich tatsächlich ein bisschen wie in Nordafrika. 

Wer ein Stück weiter spaziert, kann in der Kurischen Nehrung noch viel mehr entdecken: Leere Strände und stille Wälder breiten sich wie ein Teppich vor einem aus und bieten eine regelrechte Oase der Ruhe. Da fällt es einem richtig schwer, am Abend wieder die Reise nach Klaipėda anzutreten.

Sanddünen in der Kuhrischen Nehrung in Litauen

© AnnaLurye – stock.adobe.com

Symbol Hinweis Fährfahrten
Fahren Sie lieber per Personenfähre auf die Kurische Nehrung und lassen Sie Ihren Mietwagen in Klaipėda für günstige 3 Euro pro Tag am Hafen stehen. Der Grund: Ihr Mietwagen ist auf Fährfahrten nicht versichert – für Schäden, die auf dem Schiff entstehen, haften Sie selber.

4. Station: Berg der Kreuze, Litauen

Gut ausgeruht geht es weiter zu dem wohl skurrilsten Ort im ganzen Baltikum: Etwa 12 km nördlich von dem Örtchen Šiauliai entfernt, erheben sich rund 200.000 Kreuze auf einem Doppelhügel mitten im Nirgendwo. Staunend und etwas ehrfürchtig laufen die meisten Besucher über die schmale Holztreppe, die vorbei an den mit Rosenkränzen geschmückten Kreuzen führt. Immer wieder werden die Fotoapparate gezückt: Hier scheint an jeder Ecke ein ungewöhnliches Motiv zu warten. 

Der Berg der Kreuze ist mittlerweile ein bekannter und beliebter Wallfahrts- und Pilgerort für Christen aus aller Welt geworden. Um die Entstehung des Kreuzberges ranken sich viele Legenden. War es vielleicht ein Fürst aus Vilnius, der das erste Kreuz hier nach einem gewonnenen Prozess aufgestellt hat? Oder doch ein litauischer Vater, der um die Gesundheit seiner Tochter gebangt hat? Sicher ist für viele Gläubigen: Wer sein Kreuz hier aufstellt, wird in der Zukunft vom Glück heimgesucht. 

Berg der Kreuze in Litauen

© AndiPu – stock.adobe.com

5. Station: Riga, Lettland

Endlich geht es rüber nach Lettland in die Perle des Baltikums! So nennen nicht nur die Einheimischen, sondern mittlerweile auch viele Besucher die lettische Hauptstadt Riga. Kein Wunder: Die hübsche Stadt an der Düna lockt mit prachtvollen Jugendstilbauten, einem malerischen Rathausplatz, interessanten Museen zur Stadtgeschichte und vielen schnuckeligen Bars und Restaurants. Alternativ können Sie auch mit dem Boot über die Düna schippern oder das Seebad Jurmala direkt vor den Toren der Stadt besuchen. 

📌 Lesetipp: Unser Reiseführer für die lettische Hauptstadt Riga 

Blick über Riga und die Düna in Lettland

© rh2010 – stock.adobe.com

Symbol Parken Parken in Riga
Parken in Riga ist nicht gerade günstig: In der Altstadt sind horrende Gebühren bis zu 5 Euro pro Stunde üblich. Günstiger parkt es sich in den bewachten Parkhäusern mit etwa 2 Euro pro Stunde. Rund um Riga gibt es günstige und sogar kostenlose Park-and-Ride-Parkplätze, von denen aus Sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln im Schnitt eine Stunde ins Stadtzentrum brauchen – sinnvoll für Selbstfahrer, die auf Ihrer Baltikum-Rundreise mehrere Tage in Riga bleiben möchten.

6. Station: Tallinn, Estland

Nach einem ordentlichen Frühstück (zum Beispiel im urgemütlichen Innocent Café auf der Blaumaņa iela 34) geht es gut gestärkt rüber nach Estland. Mit vier Stunden bis zur Hauptstadt Tallinn haben wir eine ordentliche Fahrt vor uns, die uns allerdings vorbei an der bildschönen Küste von Vidzeme führt. Hier kann man gut und gerne mal eine Pause an einem der vielen Strände machen. Für eine Pause bietet sich auch wunderbar Pärnu an – eine estnische Hafenstadt wie aus dem Bilderbuch!

Tallinn empfängt uns einen nach der langen Fahrt mit einem regen Kulturleben und wunderschöner, sehr gut erhaltener mittelalterlicher Architektur. Unser Tipp: Einfach losspazieren und die estnische Hauptstadt auf sich wirken lassen. Besonders beeindruckend ist die von der Stadtmauer eingerahmte Altstadt mit dem historischen Rathausplatz. 

Auch Sightseeing außerhalb der Altstadt lohnt sich: Vom Domberg aus hat man nicht nur einen spektakulären Ausblick über die Stadt, sondern kann auch einen genaueren Blick auf die pompöse Alexander-Newski-Kathedrale mit Ihren Zwiebeltürmen werfen. Nicht weniger beeindruckend ist das Castrum Danorum, das sich ebenfalls in der Oberstadt befindet. Die Burg wurde im 13. Jahrhundert von den Dänen gegründet und thront mit ihren schweren Festungsmauern hoch oben über der Stadt. 

Blick über Tallinns Domberg mit Kathedrale in Estland

© Kavalenkava – stock.adobe.com

Symbol Parken Parken in Tallinn
Parken im Zentrum von Tallinn ist teuer und nervenaufreibend. In Parkhäusern zahlen bis etwa 3 Stunde pro Euro, in öffentlichen Parkzonen können es sogar 6 Euro werden. Unser Tipp: Einen der Park-and-Ride-Parkplätze rund um Tallinn ansteuern, zum Beispiel im Stadtteil Pirita. Hier stehen Sie für 6 Euro pro Tag auf einem überwachten Parkplatz und sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in 20 Minuten in der Altstadt. Hier sind alle Parkplätze in und um Tallin mit Preisen aufgeführt.

7. Station: Lahemaa-Nationalpark, Estland

Nur 45 Minuten von Tallinn entfernt, erstreckt sich auf einer Fläche von 72.500 Hektar ein Naturgebiet, das als eines der Schönsten im ganzen Baltikum gilt: Der Lahemaa-Nationalpark. Hier kann man locker einen ganzen Tag verbringen. Der Park bietet menschenleere Strände, üppige Kiefernwälder, malerische Flüsse und das beeindruckende Hochmoor Viru. Etliche Wanderwege laden zur Erkundung des Gebietes ein. Im Süden kann man im bewaldeten Kõrvemaa mit etwa Glück (und aus sicherer Entfernung!) Braunbären, Elche oder Füchse sehen. 

Wälder im Lahemaa-Nationalpark in Estland

© candy1812 – stock.adobe.com

Symbol Tipp Tipp
Auf halber Strecke zwischen Tallinn und dem Lahemaa-Nationalpark sollten Sie einen kurzen Zwischenstopp am imposanten Jägala-Wasserfall einlegen. Hier stürzen beachtliche Wassermassen aus acht Metern Höhe in die Tiefe. 

8. Station: Tartu, Estland

Nach so viel Ruhe und Natur wird es mal wieder Zeit für ein bisschen Stadt-Feeling. Obwohl die zweitgrößte Stadt von Estland mit knapp 100.000 Einwohnern nicht gerade als Metropole bezeichnet werden kann, trifft man hier auf ein äußerst lebendiges Fleckchen Erde. Dies mag nicht zuletzt daran liegen, dass es sich bei Tartu um eine Studentenstadt handelt. Hinter jeder Ecke scheinen bunte Fassaden mit Graffiti-Kunstwerken oder eine coole Bar mit Livemusik zu warten. Besonders zu empfehlen: Die unglaublich gemütliche Baar Edison mit einer guten Auswahl an Craft-Bieren.

Übrigens: Tartu wirkt zwar jung und modern, ist aber die älteste Stadt des Baltikums. Die Stadtgeschichte reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Wenn man durch das Johannes-Viertel mit seinen alten Kirchen flaniert, macht sich das bemerkbar. Hier fühlt man sich wie in eine andere Zeit zurückversetzt. Etwas moderner wird es dann wieder auf dem Rathausplatz: Hier trifft man auf die Brunnenskulptur von zwei dauernknutschenden Studenten, die 1998 hier platziert wurde – ein sehr beliebtes Foto-Motiv von Besuchern.

Skulptur mit küssenden Studenten auf dem Marktplatz in der estnischen Stadt Tartu

© photofranz56 – stock.adobe.com

Symbol Parken Parken in Tartu
Endlich mal aufatmen während der Baltikum-Rundreise: Selbstfahrer zahlen in Tartu deutlich weniger als in den Großstädten. In den roten Parkzonen parkt man für 10 Euro pro Tag, in den blauen Zonen für gerade einmal 5 Euro. Grüne Zonen sind tabu: Hier dürfen nur Anwohner parken. 

9. Station: Peipussee, Estland

Bevor wir das ungeheuer sympathische Estland wieder verlassen, legen wir noch einen kleinen Zwischenstopp am Peipussee ein. Das gehört zu einer Baltikum-Rundreise unbedingt dazu! Denn: Hierbei handelt es sich um einen der größten Seen von ganz Europa. Unglaubliche 3.600 Quadratmeter groß ist der See, der halb zu Estland und halb zu Russland gehört (zum Vergleich: der Bodensee ist achtmal kleiner). Hier fühlt man sich glatt wie am Meer – eine tolle Gelegenheit, um nach der quirligen Studentenstadt Tartu ein bisschen durchzuatmen. 

Neben langen Stränden und wunderschönen Buchten, die im kurzen estnischen Sommer sogar mit über 20 Grad zum Baden einladen, gibt es hier auch einige Wander- und Radwege. Aber vor allem findet man hier eins: Angenehme Ruhe! Die kommt auch gerade richtig, denn nach einer kurzen Verschnaufpause geht es zurück nach Lettland. 

Boot am Peipussee in Estland

© Andrei_Nekrassov – stock.adobe.com

10. Station: Gauja-Nationalpark, Lettland

Hallo Lettland, wir sind wieder da! Den Gauja-Nationalpark haben wir auf der Hinfahrt links liegen gelassen, aber in Vergessenheit geraten ist er natürlich nicht. Es wäre auch viel zu schade diese einzigartige Landschaft mit ihren glasklaren Seen und farbigen Sandsteinen zu verpassen. Letztere schimmern in rötlichen und goldfarbenen Tönen und sind schätzungsweise mehr als 250 – 370 Millionen Jahre alt. 

Um den Nationalpark ausgiebig zu erkunden, sollten Sie sich genügend Zeit nehmen. Absolut sehenswert ist zum Beispiel die Gutmannshöhle mit ihren Sandsteinfelsen. Hier finden Sie uralte Gravuren, die zum Teil aus dem 17. Jahrhundert stammen. Sowieso kommen hier Geschichtsfans voll auf ihre Kosten: Mehr als 500 Kulturdenkmäler, wie zum Beispiel alte Burgruinen, befinden sich auf dem 90.000 Hektar großen Gelände. 

Fluss im Gauja-Nationalpark in Lettland

© yegarov_nick – stock.adobe.com

11. Station: Schloss Rundāle, Lettland

Einen Stop haben wir noch, bevor es wieder zurück in die litauische Hauptstadt Vlinius geht. Riga lassen wir dieses Mal links (oder eher rechts) liegen und fahren direkt weiter nach Rundāle. Jede Menge mittelalterliche Burgen haben wir auf unserer Baltikum-Rundreise schon gesehen, ein richtiges Märchenschloss fehlt aber noch. Das Schloss Rundāle erinnert mit seinem riesengroßen französischen Schlossgarten und seiner prächtigen Barockfassade ein bisschen an Versailles.

Die 11 Euro Eintritt für das Innere des Schlosses und den Garten sollten Sie auf jeden Fall investieren: Auf zwei Etagen und drei Flügel erstrecken sich 138 Zimmer, von denen eines traumhafter als das andere ist. Den Grundstein für all diesen Prunk ließ der Graf Ernst Johann Biron im Jahr 1736 legen. 34 Jahre lang wurden die Räume immer weiter ausgebaut und von Bildhauern, Deckenmalern und Stuckateuren aus aller Welt aufgehübscht. Wir können uns kaum einen schöneren Ort vorstellen, um die Baltikum-Rundreise geradezu majestätisch ausklingen zu lassen. 

Schloss Rundale in Lettland

© DrJürgenTenckhoff – stock.adobe.com

Symbol Tipp Die Mitte Europas
Ein kleines Highlight wartet noch auf Sie bevor es endgültig zur Mietwagen-Rückgabe nach Vlinius geht: Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass sich im litauischen Dorf Purnuškės der Mittelpunkt von Europa befindet. Obwohl die weiße Säule mit den fünf goldenen Sternen nicht viel hermacht, ist es schon ein besonderes Gefühl, auf diesem Fleckchen Erde zu stehen. Im Besucherzentrum kann man sich anschließend sogar ein Zertifikat abholen.

Baltikum-Rundreise: Verkehrsregeln und Maut

In allen baltischen Staaten herrscht wie in Deutschland Rechtsverkehr. Auch die Verkehrsschilder, die Selbstfahrern während Ihrer Baltikum-Rundreise begegnen, sind mit denen in Deutschland und den Nachbarländern vergleichbar. Eine Besonderheit gibt es allerdings: In Estland, Litauen und Lettland herrscht auch tagsüber Lichtpflicht. Außerdem sind folgende Geschwindigkeitsbegrenzungen vorgeschrieben:

Litauen Lettland Estland
innerorts 50

50

50
außerorts 90 90 90
Schnellstraßen 100 – 110 100 – 110 110
Autobahnen 110 – 130 110 keine Autobahnen

An die Geschwindigkeitsbegrenzungen sollten Sie sich unbedingt halten, da im Baltikum viel und gerne geblitzt wird. In einigen Gegenden werden Sie zwangsläufig langsamer unterwegs sein, da nicht alle Straßen asphaltiert sind. Im Großen und Ganzen ist das Fahren in Lettland und Co. aber recht entspannt, da alle Hauptverkehrsstraßen in einem gutem Zustand sind. 

Symbol Hinweis Maut im Baltikum
Alle Straßen in den baltischen Staaten sind für PKWS mautfrei. Lediglich im lettischen Kurort Jurmala nahe Riga muss mit dem Auto eine Umweltgebühr von zwei Euro bei der Einfahrt bezahlt werden. Diese fällt allerdings nur in den Sommermonaten (Anfang April bis Ende September) an.

Budget: Wie viel kostet die Baltikum-Rundreise für Selbstfahrer?

Die Kosten für Ihre Baltikum-Rundreise hängen natürlich immer von den individuellen Anforderungen ab. Verglichen mit anderen europäischen Ländern sind Lettland und Co. aber verhältnismäßig günstige Reiseziele. Wer mit so wenig Budget wie möglich reisen möchte, bekommt in Riga zum Beispiel ein günstiges Zimmer in einem Hostel bereits ab 10 Euro. In Mittelklasse-Hotels kostet ein Zimmer in den Großstädten um die 50 Euro. Wer sich mit einem Zimmer in einem schickeren Hotel etwas gönnen möchte, kann dies schon ab 75 Euro tun. Für ein Hauptgericht zahlen Sie in den baltischen Staaten im Schnitt 8 Euro (deftige Hausmannskost inklusive Getränken). 

Für Selbstfahrer, die das Baltikum auf eigene Faust erkunden möchten, empfehlen wir einen etwas größeren Mietwagen aus der Kompaktklasse. Damit sind Sie sowohl für unasphaltierte Straßen als auch für etwas verkehrsreichere Städte gut gerüstet. Ein Kompaktwagen kostet in den Sommermonaten im Baltikum durchschnittlich  23 Euro pro Tag. Aufgrund der teilweise holprigen Straßenbedingungen sollten Sie unbedingt eine Vollkasko-Versicherung abschließen. Bei Glas- oder Reifenschäden kann es sonst sehr teuer werden. 

Die beste Reisezeit für eine Baltikum-Rundreise

Das Baltikum liegt in Nordeuropa und hat dementsprechend ein kühl-gemäßigtes kontinentales Klima. Im Juni und Juli sind die Tage besonders sonnig und lang, außerdem regnet es nur selten. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen zu dieser Zeit zwischen 17 und 25 Grad. Perfektes Reisewetter für eine Baltikum-Rundreise als Selbstfahrer! Die Wintermonate sind in Estland, Litauen und Lettland dagegen kalt, niederschlagsreich und dunkel. Zum Teil können es bis zu -20 Grad werden! Zu dieser Zeit würde eine Mietwagen-Rundreise nur bedingt Spaß machen. 

Unser Fazit: Das beste Reisewetter für eine Baltikum-Rundreise als Selbstfahrer sind das späte Frühjahr und die Sommermonate bis Ende August. 

Titelbildquelle: #64536183 | Urheber: © AlexTihonov – stock.adobe.com

Julia

Ich bin gebürtige Kölnerin (die allerdings weder Kölsch noch Karneval mag), Filmliebhaberin und Reise-Enthusiastin. Wenn ein Roadtrip vorbei ist, möchte ich am liebsten direkt den nächsten planen. In die USA zieht es mich dabei immer wieder – vor allem der amerikanische Südwesten hat es mir angetan. Muss unbedingt mit in den Urlaub: Tonnenweise gute Musik und eine Reisebegleitung, mit der man auch mal schweigen kann.
Julia

Letzte Artikel von Julia (Alle anzeigen)

Das könnte Ihnen auch gefallen

1 Kommentar

marion westerhof 6. Dezember 2018 - 0:59

Ich suche den schönsten Weg.

Antworten

Schreiben Sie uns