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Rundreise durch Südtirol: 4 Tage Bergwelten

Die Sonnenseite der Alpen: damit warb die Region Südtirol bereits vor Jahrzehnten. Mittlerweile entwickelt sich die Region wieder zum Trendreiseziel, nicht nur für die, die hoch hinaus wollen. Grund genug, eine Reise in die Dolomiten zu unternehmen, dachte sich unser Kollege Stephan, der auf einer viertägigen Rundreise Südtirol mit dem Mietwagen erkundet hat. Mitgebracht hat er jede Menge unvergessliche Erinnerungen, tolle Fotos und einen Gastbeitrag für unsere Reisewelt. Du erfährst hier, welche Pässe, Seen und Aussichtspunkte auf der Route liegen und worauf du bei Zufahrtsbeschränkungen und Grenzübertritten achten solltest.

Update: 05.10.2026

Alles auf einen Blick

Vier Tage Südtirol mit dem Mietwagen: Pässe, Seen und Panoramen von Bergamo bis zum Gardasee.

  • Route: Ab Bergamo geht es über Lago d'Iseo, Brusio, Stilfser Joch, Seiser Alm, Pragser Wildsee, Cortina und den Gardasee zurück, rund 950 km.

  • Pässe und Seilbahnen: Stilfser Joch auf 2758 Metern, dazu Grödner Joch, Falzarego-Pass mit Lagazuoi-Seilbahn, Pordoijoch und die Korbseilbahn in Vellau.

  • Seiser Alm: Die größte Hochalm Europas erreichst du mit dem eigenen Auto erst ab 17 Uhr, davor ist die Zufahrt gesperrt.

  • Pragser Wildsee: Die Zufahrt ist tagsüber sieben Stunden lang beschränkt, fahre deshalb vor 9 Uhr an den See.

  • Gardasee und Rückfahrt: Von Trient geht es an den Gardasee nach Bardolino, alternativ nach Verona, dann über die Autobahn A4 zum Flughafen Bergamo.

Kurzinfos zur Rundreise durch Südtirol

Reisedauer: 4 Tage Stecke: ca. 950 km Fahrzeit: ca. 17 h Stopps: Bergamo - Lovere/Lago d'Iseo - Brusio - Stilfser Joch - Vellau - Seiser Alm - Grödner Joch - Pragser Wildsee - Cortina d'Ampezzo - Falzarego-Pass - Trient - Gardasee - Verona - Bergamo Beste Reisezeit: Mai bis Oktober

Start in Bergamo: los geht's!

Wir starten mit dem Flieger von Köln und unternehmen einen Direktflug nach Bergamo, direkt am Fuße der Alpen gelegen. Der Flughafen wird täglich vor allem von Billigfluggesellschaften angeflogen. Wir übernehmen unseren Mietwagen in Bergamo bei einer der zahlreichen Vermietstationen direkt im Flughafenterminal. Da wir in die Berge wollen, haben wir uns für einen SUV aus der Kompaktklasse entschieden. Vormittags angekommen machen wir einen ersten kurzen Zwischenstopp in Lovere am Lago d'Iseo. Bereits jetzt haben wir einen atemberaubenden Blick auf die umgebende Berglandschaft, auch wenn die Berge hier in der Höhe längst nicht mit denen mithalten können, die wir im Laufe unserer Reise noch bereisen werden. Nach einer kurzen Stärkung machen wir uns über Edolo auf den Weg nach Brusio. Der Ort liegt grenznah in der Schweiz, daher haben wir im Vorfeld einen Grenzübertritt angemeldet. In Brusio bestaunen wir den Kreisviadukt. Das Wahrzeichen der Region ist Teil des UNESCO-Welterbes Rhätische Bahn und ist nicht nur für Eisenbahninteressierte eine Reise wert. Die Bahn fährt hier spiralförmig im Kreis, um die Steigung auf höchstens 7% zu begrenzen. Zwischen Tirano und Bormio suchen wir unsere erste Übernachtungsmöglichkeit auf.

In diesem kleinen familiengeführten Bed and Breakfast in Tovo di Sant'Agata schläft man in urgemütlichen Zimmern mit Holzmöbeln und -balken. Im hauseigenen Restaurant werden italienische Küche und Spezialitäten aus der Lombardei aufgetischt.

Fantastische Aussichten am Stilfser Joch und der Seiser Alm

Am nächsten Morgen geht es gleich spannend los, wir folgen der Hauptstraße zum Stilfser Joch. Die Auffahrt führt über zahlreiche Serpentinen nach oben und über noch mehr nach unten. Von der Passhöhe in 2758 Metern Höhe hat man einen großartigen Ausblick auf die umliegende Landschaft. Wieder im Tal angekommen, folgen wir der Hauptstraße in Richtung Meran. Im Örtchen Vellau machen wir eine kleine Pause an der Korbseilbahn. Ein wenig schwindelfrei muss man schon sein, um mit dieser Seilbahn zu fahren. Diese erinnert in Ihrer Bauart eher an einen metallenen Einkaufswagen denn an eine Seilbahn, dennoch erfüllt sie Ihren Zweck tadellos. Oben angekommen bietet sich auch hier bei einer Rast bei der nahe gelegenen Berghütte für uns wieder eine hervorragende Aussicht bis weit ins Etschtal. Auch wenn Bozen sicherlich eine Reise wert ist, entscheiden wir uns bewusst dagegen und wollen wieder in die Berge. Über Völs und Seis nähern wir uns der Seiser Alm, der größten Hochalm Europas. Gut dass schon Nachmittag ist, die Zufahrt zur Alm ist für Individualverkehr erst ab 17 Uhr gestattet. Von der Seiser Alm aus bietet sich ein atemberaubender Blick auf die Berge der Schlern- und Langkofelgruppe mit ihren teils bizarren Felsformen. Hier genießen wir den Nachmittag, bevor wir uns zu unserer nächsten Unterkunft aufmachen. Unsere nächste Unterkunft liegt in Kolfuschg, vorher passieren wir noch das kurz vorher gelegene Grödner Joch. Hier bekommen wir wieder einmal richtiges Natur-Kino vorgeführt, als die tiefstehende Sonne die Berge in orangerotes Licht taucht: das Alpenglühen.

Prags malerischer See, steile Pässe und eine Nacht auf dem Bauernhof

Am nächsten Tag heißt es früh aufgestanden, es geht nach Prags. Nein, der Ort hat nichts mit der tschechischen Hauptstadt zu tun, viel mehr ist der Ort für seinen wildromantischen See bekannt. Da der See nicht zuletzt durch Instagram eine sehr hohe Popularität erreicht hat, gelten hier streng kontrollierte Zufahrtbestimmungen, daher durchfahren wir die Straße dorthin noch vor 9 Uhr, bevor diese sieben Stunden lang für die Zufahrt beschränkt wird. Am See angekommen merken wir, dass wir hier nicht die einzigen sind, der Parkplatz ist bereits gut gefüllt. Verständlich, der See ist wunderschön und bietet (eingebettet zwischen Bergen) einen sofort entschleunigenden Anblick. Glücklicherweise verteilt sich der Besucherstrom aber gut rund um das Seeufer. Nach dem Seebesuch fahren wir weiter nach Cortina D'Ampezzo. Der Ort ist hierzulande vor Allem wegen seiner internationalen Wintersportgeschichte bekannt, ist aber schon allein wegen der malerischen Bergkulisse ringsum einen Aufenthalt wert. Wir genießen den Ausblick auf die Stadt und die umgebende Natur bei einem zünftigen Mittagessen vom Gasthof La Locanda Del Cantoniere, welcher sich auch für eine Übernachtung eignet. Gut gestärkt machen wir uns auf zum Falzarego-Pass, welcher einige Kilometer weiter westlich liegt. Dort angekommen befindet sich direkt neben dem PKW-Parkplatz die Talstation der Lagazuoi-Seilbahn, mit welcher wir bequem den Berg erreichen und so nach weiteren 10 Minuten auf unserem ersten Berggipfel stehen. Nachdem wir uns an der atemberaubenden Aussicht satt gesehen haben, fahren wir über das Pordoijoch weiter Richtung Trient, wo wir unser Nachtlager aufsuchen. Insbesondere in diesem Bereich gibt es sehr viele Unterkünfte, welche mit dem Hinweis Agritur werben. Der bei uns noch recht unbekannte Begriff lässt sich hier am ehesten mit Ferien auf dem Bauernhof beschreiben, tatsächlich entschleunigt die ruhige Lage mitten in der Natur ungemein.

Im Vin e Amor im Örtchen Dro springt man in den hauseigenen Pool und genießt dabei den Blick auf die majestätischen Berge am Horizont. Am Ende des Tages können Gäste an einer Weinverkostung teilnehmen.

Ein letzter Tag am Gardasee

Der nächste Morgen läutet unsere Rückreise ein, die ist am Abend des gleichen Tages. Wie praktisch, dass zwischen unserer Unterkunft und dem Flughafen in Bergamo der Gardasee liegt, so können wir diesen auf unserer Reise noch anschauen. Hier begreifen wir, dass die Zivilisation uns wieder hat, in den Orten und den Straßen herrscht wieder geschäftiges Treiben. Wir entscheiden uns, den Ort Bardolino zu Fuß zu erkunden, mit vielen anderen Ortschaften wie Riva, Malcesine und Sirmione ist allerdings für jeden Geschmack etwas dabei. Wem es am Gardasee zu trubelig zugeht, dem sei stattdessen ein Stadtbummel in Verona empfohlen. Nachdem wir uns mit dem italienischen Mautsystem vertraut gemacht haben, nutzen wir für den Rückweg zum Flughafen Bergamo die Autobahn A4, so dass wir pünktlich vor Rückflug wieder am Flughafen sind und den Wagen vollgetankt abgeben. Mit vielen sonnigen Eindrücken im Gepäck treten wir bald darauf den Rückflug nach Köln an.

Häufige Fragen zur Rundreise durch Südtirol

Wie kommst du zum Pragser Wildsee, wenn du es morgens nicht vor 9 Uhr schaffst?

Dann brauchst du für die Straße ins Pragser Tal eine Onlinereservierung oder eine gültige Durchfahrtsgenehmigung, denn in den Sommermonaten ist die Zufahrt täglich von 9 bis 16 Uhr beschränkt. Ohne eigenes Auto fährst du mit der Buslinie 442 ab Toblach und Niederdorf zum See, während der Verkehrsregelung allerdings nur mit Vorbuchung und Vorauszahlung. Mobilcard und Gästekarten gelten dann nicht.

Kann es passieren, dass die Dolomitenpässe an einem Tag komplett für Autos gesperrt sind?

Ja. Beim Sellaronda Bike Day sind Grödner Joch, Campolongopass, Pordoijoch und Sellajoch an je einem Samstag im Juni und im September von 9 bis 16 Uhr für den gesamten motorisierten Verkehr gesperrt und bleiben allein den Radfahrern vorbehalten. Führt deine Etappe über die Sellarunde, prüfe den Termin vor der Abreise und halte eine Ausweichroute bereit.

Worauf musst du achten, wenn du deinen Mietwagen am Karersee abstellst?

Der Parkplatz am Karersee ist ein Schrankenparkplatz der Gemeinde Welschnofen. Du ziehst bei der Einfahrt ein Ticket, zahlst vor der Weiterfahrt am Automaten und musst die Anlage danach innerhalb von 15 Minuten verlassen, sonst läuft die Gebühr weiter. Reservieren lässt sich kein Stellplatz. Verlierst du das Ticket, rechnet die Gemeinde den Tarif für volle 24 Stunden ab.

Was gilt, wenn du in Meran aus einem dringenden Grund durch die verkehrsbeschränkte Zone fahren musst?

Normalerweise beantragst du die Durchfahrt vorab bei der Gemeinde, für zeitlich begrenzte Genehmigungen mit Begründung und Unterlagen. Geht das wegen eines Notfalls nicht, verständigst du vor der Einfahrt telefonisch die Ortspolizei und reichst danach innerhalb von 48 Stunden das amtliche Meldeformular nach, mit Nachweis der Fahrt. Nur so kann die Durchfahrt nachträglich genehmigt werden.

Wer muss zurücksetzen, wenn ihr euch auf einer schmalen Passstraße nicht ausweichen könnt?

Artikel 150 der italienischen Straßenverkehrsordnung regelt das: Auf Bergstraßen hält zuerst an, wer bergab fährt, und weicht so weit wie möglich nach rechts oder in eine Ausweichbucht aus. Wird Rückwärtsfahren nötig, setzt ebenfalls der Bergabfahrende zurück. Eine Ausnahme gilt, wenn der Bergauffahrende direkt an einer Ausweichbucht steht und deutlich leichter zurückkommt.

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