Cádiz auf eigene Faust: den Westen Andalusiens mit dem Mietwagen entdecken

von Julia

Ein Besuch der andalusischen Provinz Cádiz müsste es eigentlich auf Rezept geben: Hier gibt es bildhübsche weiße Bergdörfer, kilometerlange Sandstrände und eine gleichnamige Hauptstadt, in der die Sonne stärker zu strahlen scheint als anderswo. Letztere habe ich mir als Basis für meinen zweiwöchigen Urlaub ausgesucht, um mit dem Mietwagen Tagesausflüge zu unternehmen und die Provinz Cádiz auf eigene Faust zu erkunden. Hier sind sechs Ausflugstipps – vom schönsten weißen Bergdorf bis zum südlichsten Punkt des europäischen Festlandes.

Warum ich mich für Cádiz als Urlaubsbasis entschieden habe? Zwar kann die Hauptstadt der Provinz im Gegensatz zu den größeren Städten in der Umgebung nicht mit einem internationalen Flughafen dienen, dafür aber mit einem ganz eigenen Flair und einer traumhaften Lage. Cádiz gehört zu den ältesten Städten in Westeuropa, liegt idyllisch auf einer Halbinsel inmitten einer Bucht und ist gerade einmal 13,3 km² groß. Wer durch die zahlreichen kleinen Altstadtgassen schlendert, sieht irgendwann unweigerlich das Meer in der Ferne aufblitzen – egal in welche Himmelsrichtung man läuft. Nicht nur wegen der überschaubaren Größe, sondern auch wegen den herzlichen Einwohnern habe ich mich hier ganz schnell wie zu Hause gefühlt und an manchen Tagen sogar auf Ausflüge ins Umland verzichtet. Denn: Die Stadt allein hat so viel zu bieten. 

1. Basis für Ausflüge: Cádiz

Am besten erkundet man Cádiz auf eigene Faust, indem man einfach zu Fuß losmarschiert und sich treiben lässt. Das Herzstück und die bekannteste Sehenswürdigkeit von Cádiz ist definitiv die Kathedrale mit ihrer goldenen Kuppel. Der monumentale Bau aus dem 16. Jahrhundert eignet sich wunderbar als Orientierungspunkt, wenn man sich mal wieder in den verwinkelten Gassen der Altstadt verloren hat. Mein Tipp für einen traumhaften Blick über Cádiz: Auf den Torre Tavira steigen und – wie einst die Torwächter – die Stadt mit ihren vielen Türmchen und die ankommenden Schiffe beobachten. In dem weißen Barockturm gibt es übrigens eine Camera Obscura, die das Treiben in der Stadt in Echtzeit zeigt. 

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An den kilometerlangen Stränden entlang der Promenade im Südwesten kann man locker einen ganzen Tag vertrödeln – am Abschnitt Playa de Santa Maria sogar mit Blick auf die Kathedrale. Und für den Sonnenuntergang? Da geht man am besten zum Playa de la Caleta, der im Westen der Stadt in einer geschützten Bucht liegt. Hier ist immer etwas los – machen Sie es einfach wie die Einheimischen und nehmen Sie sich einen guten Vino und eine Strandtuch mit. Und dann: Den Blick in die Ferne schweifen lassen und der Sonne dabei zusehen, wie Sie die Stadt in ein leuchtendes Rot taucht. 

Was gehört unbedingt zu einem Andalusien-Urlaub dazu? Tapas naürlich! Cádiz hat eine unglaublich große Auswahl an fantastischen Tapas-Bars zu bieten, eigentlich kann man kaum etwas falsch machen. Die schönste Atmosphäre herrscht aber definitiv im Casa Manteca im Ausgehviertel Barrio de la Viña. Die urige Taverne ist eine echte Insitution und immer gerappelt voll. Am besten also pünktlich zur Öffnungszeit dort sein, um einen Platz zu ergattern. 

Tipp
Unglaublich wohl habe ich mich in der Spanish Galleon Lodge (60 Euro für ein Doppelzimmer/Nacht) gefühlt. Das sehr hilfsbereite Hotel-Team hat die verschiedenen Zimmer, Appartements sowie die riesengroße Dachterrasse (mit Hängematten!) liebevoll hergerichtet. Über Parkplätze verfügt das Hotel, wie nahezu alle Hotels in der Altstadt, nicht. Geparkt haben wir deshalb auf dem 10 Minuten entfernten Parkplatz Reina Sofía in Hafennähe. Mit 9 Euro/Tag (für uns also 4,50 Euro/Person) durchaus fair.

2. El Palmar de Vejer: Ausflug zum Surferparadies

Obwohl Cádiz wunderschöne Strände zu bieten hat, ist das Surfen hier nur morgens und in den Abendstunden erlaubt. Wer – wie wir – nach einem seperaten Strand zum Surfen sucht, findet sein Glück in El Palmar, einer kleinen quirligen Strandsiedlung in der Nähe von Conil de la Frontera. Hier reiht sich ein Surfshop an den nächsten und die hohe Brandung sorgt für optimale Bedingungen zum Wellenreiten.

Wer keine Lust auf’s Surfen hat, wird sich hier trotzdem auf Anhieb wohlfühlen. El Palmar ist ein unglaublich entspannter Ort, der wegen seinem internationalen, jungen Publikum auch gerne mal scherzhaft als Hippie-Dorf bezeichnet wird. Zu trubelig wird es hier aber nie: An dem 8 Kilometer langen Sandstrand findet jeder seinen Wohlfühlort. 

Tipp
Bis nach El Palmar sind es knapp 45 Minuten. Folgen Sie ab Cádiz der CA-33 und wechseln Sie in Poligono Tres Caminos auf die Autovía de la Luz (A-48). Nehmen Sie die Ausfahrt 26 und fahren Sie über die A-2232 weiter Richtung Conil de la Frontera. Von hier aus sind es über die A-2233 nur noch wenige Kilometer bis nach El Palmar. Entlang der Hauptstraße des kleinen Ortes, der Camino de Pino, gibt es gleich mehrere große Parkplätze, auf denen man für derzeit 3 Euro bis in die Abendstunden parken darf.

3. Tarifa: Ausflug zur südlichsten Stadt Europas

Wer die Provinz Cádiz auf eigene Faust erkunden möchte, sollte unbedingt einen Abstecher zum südlichsten Punkt des europäischen Festlandes machen. Wenn Sie den Blick in die Ferne schweifen lassen, sehen Sie den afrikanischen Kontinent am Horizont – ein ganz besonderer Moment. 

Durch die strahlend weißen Gassen der romantischen Altstadt laufen Sie – vorbei an kleinen Geschäften und Cafés – direkt auf die Strände von Tarifa zu. Besonders schön ist der Playa de Los Lances, der es mit seinem zuckerweißen, feinen Sand locker mit den Stränden in der Karibik aufnehmen kann. Für den Snack zwischendurch (oder ein ausgedehntes Abendessen) eignet sich das schnuckelige und sehr herzliche chilimosa in der Altstadt. Hier werden in gemütlicher Atmosphäre vegetarische und vegane Gerichte aufgetischt. Mein absoluter Favorit: Die gefüllten Empanadas (Blätterteigtaschen) mit Spinat und Fetakäse. 

Tipp
Über die Autovía de la Luz (A-48) und die Nationalstraße 340 gelangen Sie in knapp 75 Minuten von Cádiz nach Tarifa. Kurz vor Tarifa tauchen bereits zu Ihrer rechten Sanddünen und das Meer auf. Bei der Ctra. Cádiz-Málaga heißt es dann: Blinker setzen und rechts nach Tarifa abbiegen. Kostenlose Parkmöglichkeiten haben wir nahe der Busstation an der Grupo Tingintera (36.019246, -5.609856) gefunden. Von hier erreichen Sie die autofreie Altstadt zu Fuß in knapp fünf Minuten. Der Parkplatz ist zwar nicht asphaltiert, aber problemlos befahrbar.

Zwischenstopp am Geheimtipp Bolonia

© José Luis Trullo – stock.adobe.com


Zischen Cádiz und Tarifa liegen – etwas versteckt und von öffentlichen Verkehrsmitteln nicht angefahren – gleich zwei Highlights, die viele Touristen außer Acht lassen. Wer mit seinem Mietwagen etwa 15 Kilometer nordwestlich vor der Tarifa Richtung Küste abbiegt und den Wegweisern etwa 7 Kilometer lang nach Bolonia folgt, erreicht ein kleines verschlafenes Örtchen, das idyllisch an der Straße von Gibraltar liegt. Hier breiten sich nicht nur 30 Meter hohe Wanderdünen aus, die ganze Pinienbäume unter sich vergraben, sondern auch die gut erhaltenen Ruinen der römischen Siedlung Baelo Claudia aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. 

4. Arcos de la Frontera: Ausflug zum weißen Bergdorf

Auf einem steilen Felsen oberhalb des Flusses Guadalete liegt, in spektakulären 185 Metern Höhe, die Altstadt von Arcos de la Frontera. Es gehört zu den für Andalusien typischen weißen Dörfern, den pueblas blancas. Einmal angekommen heißt es: bequeme Schuhe anziehen, noch einmal tief durchatmen und dann geht es hoch hinauf durch die steilen, kleinen Gassen. Wer die charakteristischen Bögen zählen möchte, die das Straßenlabyrinth schmücken, der wird schnell verzweifeln: Arcos de la Frontera macht seinem Namen alle Ehre. 

Eine Verschnaufspause sollten Sie unbedingt am Plaza del Cabildo einlegen. Am höchsten und vermutlich wichtigsten Punkt der Stadt stehen das Rathaus, die mächtige Stadtburg und die wunderschöne Iglesia Parroquial de Santa María de la Asunción aus dem 14. Jahrhundert Seite an Seite. Und damit nicht genug: Die Natur hat an dieser Stelle eine Aussichtsplattform geformt, den sogenannten Balcón de la Peña Nueva. Der Ausblick von hier auf das Tal und die restliche Altstadt: ein Traum! 

Tipp
Bis nach Arcos de la Frontera sind es von Cádiz aus etwa 68 Kilometer. Verlassen Sie Cádiz über die Brücke im Nordosten und folgen Sie zunächst der Autopista 4 und anschließend der Autovía 382 bis zur Ausfahrt 20. Mein Tipp: Das Fahren in den engen Altstadtgassen umgehen und ein Stück unterhalb der Stadt parken. Entlang der Avenue Duque de Arcos gibt es riesengroße Parkplätze, die zudem noch kostenlos sind. Über Treppen gelangen Sie in weniger als 10 Minuten direkt in die Altstadt.

5. Jerez de la Frontera: Ausflug in die Heimatstadt des Sherrys

Jerez de la Frontera ist mit knapp 213.000 Einwohnern die größte und bevölkerungsreichste Stadt der Provinz Cádiz. Wer auf eigene Faust durch die Straßen wandert wird aber schnell bemerken, dass über der gesamten Stadt eine gewisse Gelassenheit schwebt. Vielleicht liegt es daran, dass Jerez die Heimatstadt des Sherrys ist? In den zahlreichen Weinkellereien kann man im Rahmen einer Führung einiges über die hauseigene Herstellung des fruchtigen Apertifs lernen – zum Beispiel in den Bodegas Fundador, wo sich die riesengroßen Sherry-Fässer nur so stapeln. 

Nur vier Minuten von den Bodegas entfernt erhebt sich die schier beeindruckende Kathedrale von Jerez über der Altstadt. Baustile aus verschiedenen Jahrhunderten – vom Barock über die Gotik bis zum Klassizismus – verschmelzen gemeinsam zu einem imposanten Bauwerk, zu dem man einfach nur staunend hinaufschauen kann. Nicht weniger beeindruckend ist das benachbarte Alcazar. Die Grundmauern der ehemaligen maurischen Festung wurden vermutlich bereits im 11. Jahrhundert gelegt, was den Palast zum ältesten Bauwerk der Stadt macht. 

Tipp
Gerade einmal eine halbe Stunde sind Sie von Cádiz bis nach Jerez de la Frontera über die gut ausgebaute Autopista 4 unterwegs. Mein Park-Tipp: Im Parkhaus auf dem Plaza del Arenal parkt man in bester Innenstadtlage am Wochenende für einen Pauschalpreis von 2 Euro.

6. Sevilla: Ausflug in die andalusische Hauptstadt

Genaugenommen gehört Sevilla nicht mehr zur Provinz Cádiz, liegt aber mit dem Mietwagen – gut erreichbar über die Autopista 4 – nur eineinhalb Stunden entfernt. Und seien wir mal ehrlich: Die Bilderbuch-Stadt mit einer der weltweit größten gotischen Kathedralen gehört zu einem Andalusien-Urlaub unbedingt dazu. Wir haben uns jedenfalls dazu entschieden, hier unseren Mietwagen wieder abzugeben und unsere letzten drei Tage in Sevilla zu verbringen. Das war auch die richtige Entscheidung: Für die bunte, facettenreiche Stadt sollten Sie sich mindestens zwei volle Tage Zeit nehmen. 

Neben der Kathedrale mit ihrer Sandstein-Fassade (unbedingt auf die über 30 Meter hohe Giralda steigen!) und dem traumhaft schönen Plaza de España hat mich in Sevilla vor allem das pompöse Real Alcazar beeindruckt. Ein Spaziergang durch die ehemaligen königlichen Gärten, in denen andalusische Pfauen durch die Gegend stolzieren, und die mit hübschen Fliesen geschmückten Innenräume gleicht einer Zeitreise durch die Vergangenheit. Kein Wunder, dass hier nicht nur Ridley Scotts Historien-Epos “Königreich der Himmel”, sondern auch Szenen der Erfolgsserie Game of Thrones gedreht wurden. 

Spektakulär ausklingen lässt man den Tag am besten auf der Metropol Parasol (auch Las Setas – die Pilze – genannt). Wie überdimensionale Sonnenschirme breitet sich die größte Holzkonstruktion der Welt über der Plaza de la Encarnación aus. Für 3 Euro bringt Sie ein Aufzug in luftige 26 Meter Höhe. Der Panoramablick über Sevilla ist vor allem bei Sonnenuntergang unglaublich schön. 

Tipp
In einem restaurierten Kolonialgebäude keine 50 Meter von der Kathedrale entfernt liegt in einer ruhigen Seitengasse das Boutiquehotel Casa de Colón (ca 72 Euro für ein Doppelzimmer/Nacht). Die liebevoll hergerichteten Zimmer liegen rund um einen Innenhof mit Buntglasfenstern, einige sogar mit Blick auf die Kathedrale. Neben einer 24-Stunden-Rezeption gibt’s hier auch eine riesengroße Dachterrasse und ein zubuchbares Frühstück für 9 Euro.

Der passende Mietwagen für den Cádiz-Urlaub

Ein Mietwagen in Andalusien ist definitiv sinnvoll, wenn man die Provinz Cádiz auf eigene Faust entdecken und Ausflüge unternehmen möchte. Zwar fahren Züge und Autobusse beliebte Ausflugsziele an, wirklich flexibel sind Sie aber damit nicht. Wir wollten uns nicht nach Bus- und Zugzeiten richten und auch einmal länger an einem Ort verweilen als geplant. Einige Orte, wie zum Beispiel die Wanderdünen und die römischen Ruinen bei Bolonia, sind sogar nur mit einem Auto erreichbar.

Knapp 20 Euro pro Tag haben wir für einen Kleinwagen bezahlt, den wir in Sevilla abgeholt und nach eineinhalb Wochen wieder dort abgegeben haben. Dabei war uns eine Haftpflichtversicherung, ein Glas-und Reifenschutz sowie eine Vollkasko mit Erstattung der Selbstbeteiligung wichtig. Denn obwohl das Autofahren auf den andalusischen Autovías und Autopistas sehr angenehm und überschaubar ist, kann es in den Städten mitunter etwas chaotischer und enger werden. 

Sie wollen mehr von Andalusien sehen als nur die Provinz Cádiz? Dann schauen Sie doch mal in unsere große Andalusien-Rundreise ab Sevilla rein!

Titelbildquelle: #199135066| Urheber: © malajscy – stock.adobe.com

Julia

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2 Kommentare

Arno Hirschberg 12. Dezember 2019 - 18:59

sehr schön

Antworten
Betina Hein 12. Dezember 2019 - 11:26

da will ich hin

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