Südost-Australien und Tasmanien

Australien

3 Wochen

Dezember 2008

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29.01.2009

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Start: Sydney

Mit 7 Stunden Zwischenstopp in Singapur - wo man selbst in so kurzer Zeit neben der duftenden Schärfe der asiatischen Küche zum Tränen rührende Konzerteinlagen an vertrauten Orten bekommt - überlebt man den 18 Stunden langen Flug unbeschadet.
Man könnte meinen, der fünfte Kontinent birgt eine unverwechselbare und unbekannte Welt. Weit verfehlt. Nach unzähligen Stunden erreicht man die sich nach Hauptstadtstatus sehnende Metropole, aber keine exotische Welt. Exotisch könnte auf manche nur der Linksverkehr wirken, auch wenn man unentwegt über Schilder und aufgemalte Warnschriften wie keep left, look right stolpert. Doch spätestens beim sich nähernden Gegenverkehr merkt man, dass man schleunigst die Spur wechseln sollte.
Sydney ist (für mich) keine imposante Stadt. Selbst das berühmte Opernhaus mit seinem Segeldach am Fluss sieht auf Bildern überwältigender aus als in der Wirklichkeit. (Auch wenn in einigen Reiseführern zu lesen ist, dass Sydney vielleicht eine der schönsten Städte der Welt sei. ?? Ich glaube, mir fehlt das Geschichtsträchtige.) Sydney ist dennoch eine einladende, attraktive, lebendig-laute, abwechslungsreiche, grüne Stadt mit botanischen Gärten und Parks, gemütlichen Straßencafés, freundlichen Menschen, EINZELNEN imposanten Bauten aus viktorianischer Zeit und manchen spektakulären Aktionen und Attraktionen. Dazu zählt u.a. der Bridge Climb auf der größten Stahlbrücke der Welt.

Wer verrückte Sachen liebt und die Aussicht auf die Hafenstadt aus 134 m Höhe genießen will, kann bei einem Klettererlebnis auf den schlängelnden Stegen, die mitten durch die Stahlkonstruktion führen, die Harbour-Brücke erklimmen. Natürlich mit einem ausgebildeten Begleiter. Für die geführte Tour erhält man einen witzigen Bridge-Anzug als Schutzkleidung, einen Sicherheitsgurt, der während der gesamten Klettertour mit einer Sicherungsleine verbunden ist, ein Kommunikationsgerät und falls man die Aktion bei Nacht machen möchte, eine Lampe. Je nach Tages- und Jahreszeit zahlt man zwischen 180 und 300 AUD für den Spaß, den auch viele Prominente wie Will Smith, Matt Damon, Nicole Kidman, Kylie Minogue usw. gemacht haben. Nach der 3 ½ - stündigen Aktion erhält man ein Gruppenfoto, sowie eine persönliche Kletter-Urkunde als Andenken. (Man sollte sich allerdings rechtzeitig informieren, denn in der Weihnachtszeit war die Aktion ausgebucht und ich hatte keine Chance, die Stadt aus dieser Perspektive kennen zu lernen.

Eine weitere Attraktion ist das Sydney Aquarium. Es ist angeblich das größte Meerwasseraquarium der Welt, das einen mehrstündigen Streifzug durch acht australische Regionen mit einer riesigen Artenvielfalt von Lebewesen am und im Wasser verspricht. Man spaziert an einer reichen Auswahl an Rochen, Haien, Muränen, Schildkröten, Seesternen, Skorpionfischen, Robben, Seekühen und, und, und vorbei, zum Teil in einem durchsichtigen Acryltunnel. Bis man den Bereich mit der Nachbildung des Great Barrier Reefs erreicht, kann man kaum mehr laufen. Zum Glück gibt es hier eine mit Teppich bezogener Treppe. Man sitzt auf den Stufen vor einer riesigen Glasscheibe und schaut den vorbeihuschenden bunten Fischschwärmen und Haien zu, während in dem abgedunkelten Raum Saint-Saëns´ Aquarium-Melodie in die Ohren rieselt. Anfangs lauscht man begeistert den sanften Klängen und genießt gleichzeitig die abwechslungsreiche "Farbsendung", doch spätestens nach 10 Minuten macht einen die Dauerschleife-Version der Musik verrückt und übergibt die Plätze freiwillig den Nachkommenden.
Für alle, die die artenreiche Fauna Australiens in kürzester Zeit auf kleinstem Gebiet erleben möchten, stehen die Türen des Wildlife-Centers offen. Hier verliert man garantiert sein Herz an einen Wombat! Obwohl man in der Großstadt ist, begegnet man auch im Freien Tieren. In allen Grünanlagen surrt und zwitschert es. Stolze Kakadus fliegen in weißer Federpracht laut kreischend von Baum zu Baum. Oft sieht man sie auch auf den Verkehrsampeln sitzen, mit aufgestellten, gelben Kopffedern. Auf einem abendlichen Spaziergang im Hyde-Park läuft einem nicht nur ein flinker Possum durch den Weg. Riesige Flughunde kreisen mit 50 cm Flügelspannweite über den Köpfen, bevor sie sich auf ihre nächtliche Nektarsuche begeben.

In der Hitze erinnern nur die bunten Lichterketten und die überdimensionalen, aufblasbaren Nikolausfiguren in den Vorgärten an Weihnachten. Am Heiligabend ist die ganze Stadt voll von halbnackten Jugendlichen, die rot-weiße Nikolausmützen tragen und in großen Gruppen die Lokale und Bars ansteuern, um dort laut und feucht-fröhlich zu feiern.
In der großen Kathedrale ist die Mitternachtsmesse zwar ordentlich überfüllt, aber die britische Version der Besinnlichkeit ist nicht besonders bewegend.

Unser letzter Blick von Sydney ist (per Zufall) die berühmt-berüchtigte Regatta am zweiten Weihnachtstag. Hunderttausende Zuschauer bewundern die Yachten, die sich auf die 628 Seemeilen von der Olympiastadt über die gefährliche Meerenge "Bass Strait" ins Tasmanische Hobart begeben. Im Rückspiegel sehen wir noch die weiß-gespannten Segelmassen auf dem tiefblauen Meer, bevor wir entlang der Ostküste erwartungsvoll Richtung Melbourne weiterrollen.

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Station 2: Melbourne

Für die gut 1000 km lange Strecke haben wir leider nur vier Tage. Viel zu kurz, wie es sich sehr bald herausstellt. Eine atemberaubende, abwechslungsreiche Landschaft fliegt an uns vorbei. Eukalyptuswälder, Küsten-, Gras-, und Moorlandschaft... Mal fährt man an einem See mit graziösen, langbeinigen oder skurrilen Seevögeln, mit säbelartig gebogenen Schnäbeln vorbei, mal schlängelt sich ein Fluss neben uns. Hin und wieder führt der Weg mitten durch einen Nationalpark. Unterwegs entdeckt man immer wieder Gebiete, die einem verheerenden Buschbrand zum Opfer gefallen sind. Doch selbst diese, sich schnell erholenden Waldteile bergen mit ihrer futuristischen Erbe so viel Schönheit. Von manchen Bäumen ist nur ein kohlenschwarzer, dennoch wohlgeformter Stumpf übrig, andere haben sich "gehäutet" und ragen nun mit ihren schlanken, weißen, laublosen Ästen malerisch in den hellblauen Himmel. Daneben die grüne Frische neuen Lebens.

Und als wäre diese märchenhafte Landschaft noch nicht genug, tauchen immer wieder Tiere auf dem Weg auf. Gestreifte Warane überqueren die Straße und klettern blitzschnell auf einen den Wegrand säumenden Baum. Auf Kängurus, Wallabys, Wombats und Possums machen uns die gelben Warnschilder aufmerksam. Ab der Dämmerung wird das Fahren zu einer heiklen Angelegenheit. Ständig hüpfen riesige Kängurus (bis zu 2 m) oder ihre kleineren Genossen, die Wallabys (40 - 90 cm) auf die Straße, weshalb man höchstens 30 km/h fahren kann. Leider kümmern sich die Wenigsten um die Warnschilder ... in keinem Land habe ich so viele überfahrene Tiere gesehen, wie hier. Überall auf und neben der Straße liegen Kadaver. Manche frisch und äußerlich unversehrt, einige platt gefahren und vertrocknet, andere mit ausgelaufenen Gedärmen oder zum Skelett verkommen... Ein Schlaraffenland für die großen, schwarzen Dohlen, die sich hier tummeln und genüsslich an die Reste machen.

Bei der Bilderbuch-Landschaft verdrängt man jedoch schnell diese Bilder. Orte wie Eden, Paradise und Saphirküste tragen wohlverdient ihren Namen. Da taucht man zur Erfrischung ohne Nachdenken im weißen Schaum der Meereswellen kurz unter. Hier ist alles so ... großzügig im Sinne von weiträumig. Schnell wird sicht- und spürbar, was es bedeutet, wenn auf einer Fläche, die 22-mal so groß wie Deutschland ist, nur 20 Millionen Menschen leben. Durch die geringe Bevölkerungsdichte (2 Erw./km² statt 250 Erw./km²!!!) kommt nie das Gefühl der Enge auf. Man kann überall und ständig allein sein. Ob an kilometerlangen Stränden, in kleinen Buchten, im Wald... . Selbst neben der Straße sieht man eine unendliche Weite. Jedoch keine flache Weite, wie in der afrikanischen Savanne. Es ist vielmehr als würden unsichtbare Hände die Landschaft an den oberen Zipfeln sanft erheben, so dass man eine perfekte Sicht auf die bis zum Horizont gleichmäßig steigende Grünfläche hat. Auf den weitläufigen Weiden teilen die Kühe großzügig das Grünzeug mit den Kängurus. Entzückt genießen wir dieses ungewöhnliche Bild und lesen im Anschluss, dass die Bauern beim Anblick der Kängurus auf ihrer Weide weniger entzückt sind. Verärgert klagen sie darüber, dass die Beuteltiere das langsam nachwachsende Gras ihren Kühen wegfressen. Doch Tierschützer behaupten, dass die Kängurus ganz andere Grassorten bevorzugen. Dieser Streit lässt uns kalt und wir nehmen das verrückte Bild mit der Känguru-Kuhweide im Herzen mit. Erstaunlich ist auch die Vielfalt der Fellmode bei den Kühen. Es gibt braune Kühe, pechschwarze Kühe, beigefarbene Kühe mit einem dicken weißen Hüftgürtel, Faschingsmaske tragende schwarz-weiße Kühe und... und... und.

Durch das ganzjährig milde Klima in dieser Region, haben sich die Australier auf ein Leben im Freien eingerichtet. So findet man überall gemütliche Picknickplätze, die... wahrscheinlich wegen Brandgefahr ... mit Elektrogrill ausgestattet sind! Ob im Park, im Wald, am Meer... überall lässt sich im Freien etwas Warmes zubereiten. Und während man sich den Ausblick genießend stärkt, hört man den unverwechselbaren "lachenden Hans", den Kookaburra und wird von bunten Papageien heimgesucht. Beim Picknicken in den Küstengebieten kann man Pelikane, Albatrosse und andere undefinierbare Vogelarten bewundern. Schade, dass man zu der Reise nicht automatisch einen Ornithologen buchen kann.

Genauso abwechslungsreich wie die Landschaft ist auch das Wetter. Angeblich kann man hier an einem Tag alle 4 Jahreszeiten erleben. Bei uns bleibt der Winter zum Glück aus. Die drückende Hitze wird jedoch schnell durch starken Wind ersetzt. Der plötzliche Regen, der (anders als in Asien) kalt herunter prasselt, leckt alles staubfrei und lässt die Farben noch stärker erleuchten. Die Wolken verziehen sich genauso schnell, wie sie gekommen sind. Der Asphalt dampft im zurückkehrenden Sonnenschein und der Regenbogen übt Weitsprung. Bis man beim nächsten Picknickplatz ankommt, ist alles wieder trocken. Da wir für Melbourne nur einen Tag hatten, hüte ich mich, über die "City of Diversity" vorschnelle Meinungen zu verbreiten. So viel sei jedoch gesagt, dass die nächtliche Dreimillionen-Stadt mit ihrem Glanz Sydney übertrifft. (Wohlgemerkt: die NÄCHTLICHE Stadt.)

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Ziel: Hobart

Am 10. Tag geben wir unseren in Sydney gemieteten Wagen am Flughafen Melbourne ab und fliegen endlich in die grüne Ecke des roten Kontinents, 240 km südlich des Festlands: Under Down Under. In Tasmanien landen wir wörtlich am Ende der Welt. Wir gewinnen auf der Insel eine zusätzliche Stunde bis zur Dämmerung (Sonnenuntergang gegen 21.30 Uhr!) und verlieren 10 °C. Auch sonstige Dimensionen schrumpfen. Die nicht einmal 200.000 Seelen zählende Hauptstadt Hobart wirkt nach den Großstädten Australiens ungewöhnlich bescheiden. Wir platzen mit unserem neuen Mietwagen in die Abendstimmung im Hafen rein, wo die Regatta (die am 2. Weihnachtstag in Sydney gestartet ist) ihr Ziel inzwischen erreicht hat. Sanft schaukeln die Yachten auf den leichten Wellen, während die Crew ausgelassen feiert.

Unweit davon entfernt kann man in aufgebauten Zelten die Geschmacksnerven kitzeln lassen bei dem einwöchigen "Gaumenfestival". Die Gourmethäppchen sind...na ja. Wie sagt man es höflich? Anders. Die Stimmung: "very british". Dagegen das bunte Treiben auf dem Salamanca-Market samstags: eine wahre Freude, ein Genuss! Es duftet nach frisch Gebratenem, nach frisch Gepflücktem, nach frisch Gehobeltem... Farbenfroh leuchten die Stoffe, Gemälden, Keramikschüsseln... pyramidenförmig stehen die gestapelten Honig- und Marmeladengläser, die Sonne spiegelt sich in den gläsernen Windspielen... und während man durch den Markt schlendert, stolpert man an allen Ecken über Straßenmusikanten: Sänger, Trommler, Didgeridoo -Spieler...

Gespannt starten wir eine Rundreise durch die Insel, von der etwa ein Viertel als UNESCO Welterbe ausgewiesen ist und die zu 45 % aus Nationalparks besteht. Die unberührte, schwer zugängliche Wildnis bleibt auch für uns verborgen, wofür uns jedoch die leicht erreichbaren, kontrastreichen, wildromantischen Landstriche ausreichend entschädigen. Urwüchsige Regenwälder, Dünenlandschaften, Eukalyptus- und Akazienwälder mit riesigen Termitenhügeln, Graslandschaften... Farnen und Moose... Wiesen und Felder... grandiose alpine Landschaft mit Wasserfällen... fruchtbare Täler mit Obstgärten und Weinbergen... riesige Mohnfelder... Schafweiden, mit meiner Lieblingsrasse dabei: Schafe mit hellem Pullover, schwarzen Strumpfhosen und finsterem Gesicht. Am Straßenrand unzählige wilde Kaninchen. Eine Plage. Alles duftet und blüht gelb, lila und weiß. Der malerische Fluss "Dervent River" breitet sich Richtung Hobart immer stärker aus. Wie ein See liegt er in der Dämmerung unter dem purpurroten Himmel und beheimatet Hunderte von schwarzen Schwänen! Hier gibt ´s angeblich die sauberste Luft der Welt. Und laut Behauptung der Einheimischen auch die besten Austern, den besten Wein, den besten Käse, den besten Honig...Sicher... nur die Gourmetküche in der Hauptstadt... aber was soll´s. Lovely People.

Auch hier kann man alle Klimazonen der Welt erleben... das Wetter wechselt alle 10 Minuten! Eine außergewöhnliche Garderobe ist die Folge. Wo sonst auf der Welt trägt man Winterjacke über den Bikini und Badeschlappen? (Ohne dass man sich dabei blöd vorkommt.) Die Insel verwöhnt alle Sinnesorgane. Man sieht Unbeschreibliches, hört tropisch klingende Vogelkonzerte, spürt Wind, Wärme, Sand unter den Füßen, das weiche Fell der zahmen Tiere, riecht Frische und schmeckt die Süße des Sommers. Die Bauern verkaufen frisch geerntete Himbeeren und Kirschen am Straßenrand. Einmal wohnen wir auf einem riesigen Anwesen mit Aprikosenbäumen. Eine Leiter steht bereit, um auch die höchsten Äste mit den gelborangen Früchten zu erreichen. Kaum sind die Taschen voll gestopft, muss die Reise weitergehen... es gibt sooo viel zu entdecken und die Zeit drängt. Die Tiere rauben einem mächtig viel Zeit! Man freut sich, dass in den Nationalparks die meisten ihre Scheu abgelegt haben. Faul liegen die Kängurus im Schatten der 70 m hohen Eukalyptusbäume und lassen sich streicheln. In Anwesenheit eines Rangers, der uns weitere Geheimnisse über die Tiere verrät, darf man auch mit Koalas und Wombats kuscheln. Man küsst und knuddelt alle flauschigen Kandidaten, um zu entscheiden, wer zum Auserwählten wird. Doch der erste Eindruck trügt nicht: Der WOMBAT ist und bleibt einfach die große Liebe. Für ein Leben. Und weil mein unstillbares Fernweh sich immer nach "Exotischem" sehnt, endlich was Exotisches: tasmanische Teufel. Diese kompakten, leicht gekrümmten, schwarzen nachtaktiven Beuteltiere mit kurzen Beinen leben auf der ganzen Welt nur noch hier. Als Gesundheitspolizei erlegen sie schwache und kranke Tiere und fressen sie nicht nur mit Haut und Haar, sondern mit Knochen auf! Auch von ihnen bringt mir der Wildhüter ein Exemplar zum Streicheln. Noch bevor er uns allein lässt, warnt er vor den giftigen Schlangen, die lautlos im hohen Gras hier herumkriechen. Wir geraten in Zwiespalt. Nun sollen wir laut stampfen, wie Trampeltiere, damit die Schlangen die Weite suchen, möchten aber die scheuen Possums und Wombats nicht erschrecken. Letztere gewinnen. Wir riskieren es und schleichen mit größerer Aufmerksamkeit leise weiter. Vor unseren Füßen gefährliche und scheue Tiere, über unseren Köpfen ausgetrocknete, halb abgebrochene und nun herabhängende Äste, die sich im Wind wiegen, und dabei Töne erzeugen, als würde ein angehender Violinist seine Geige stimmen. Und wieder haben wir uns vor unserer Route nicht registriert. Also höchste Vorsicht ist geboten, denn es kann sich keine Suchtruppe aufmachen, falls man einer Schlange mit tödlichem Biss zum Opfer fällt oder sich im 150 ha großen Wald verirrt. Doch daran denkt man bei der Begeisterung nicht. Zwei weitere Exoten wärmen mein Herz, zwei Relikte der Gondwana-Zeit. Die beiden Eier legende Säugetiere der Welt: - das einzigartige Schnabeltier, mit kurzem, wasserfesten Fell, weichem, biegsamen Entenschnabel, einem platten Schwanz, der als Ruder dient und mit Schwimmhäuten an den Vorder- und Hinterbeinen. - der Ameisenigel, der öfter unseren Weg kreuzt und den man auch - trotz Stacheln - streicheln kann.

Nach einer langen Runde mit Staunen geht es auf kurvenreichen Serpentinstraßen weiter. Unterwegs: ruhige Seen, in denen sich die Bäume spiegeln. Fischer in der Stille. Wanderung auf schmalen Wegen, die an ein märchenhaftes Elfenreich erinnern. Die Bäume tragen lustige Flechtenbärte. Alles ist mit Moos bedeckt. Es ist, als hätte man die rund geschliffenen Steinriesen, die plump im Bach sitzen, in eine grüne Samtdecke eingehüllt. Kurzer Besuch bei den größten Bäumen der Welt, deren respekterzeugende Höhe (bis zu 100 m ) nur mit verrenktem Hals zu bewundern ist. Das untere Drittel des Baumes steckt in Moosjacke, die Mitte häutet sich und lässt Rindenfetzen herabhängen, während der Laubkopf den Himmel streicht. Die Kälte in den Höhen steigt in die Knochen. Nieselregen und Nebel dämpfen die Sicht. Wir wärmen uns bei einem heißen Kaffee im Nationalpark-Restaurant. In der Mitte prasselt im Holzofen das Feuer. Die Flammen zucken wild hinter der Glaswand und auch der Blick nach draußen wärmt einen plötzlich: ein dicker Wombat grast gelassen vor dem Fenster.

Nun auf zu den westlichen Küstengebieten. Der Wind weht stürmisch. Riesige Wellen eilen unruhig auf die Küste zu, umschlingen dort brechend bizarre Felsen, schießen dabei wie eine Fontäne in die Höhe, und ergießen sich schließlich als weißer Schaum über die kantigen Rücken. Immer wieder. Beim Zuschauen werden längst vergessen geglaubte Lieder aus der Vergangenheit in einem wach. In dieser leeren aber doch ausgefüllten Weite will man ständig singen. Und der Sand singt auch unter den Füßen!! Das habe ich noch in keinem Land erlebt. Quietschend "säuselt" er unter jedem Schritt. Könnte jemand bitte die Zeit anhalten?

Neuer Schauplatz: tausende kleine Krabben schießen bei Ebbe aus ihren Löchern hervor und wandern wie ein Teppich auf dem nassen Sand. Daneben Fischer, die knöcheltief im dunklen Brei stehen und mit langen Rohren schrimpsartige Tiere aus der schlammigen Tiefe pumpen. Als Köder für die Fische, erklären sie uns, als wir neugierig in ihre Eimer schielen. Wir fahren weiter, vorbei an lustigen, aneinander gereihten Briefkästen: Krüge, Milchkannen und Plastikeimer auf Stelzen. Weit und breit keine Häuser zu sehen. Aber Wege. Wege, die zu entlegenen Orten führen. Die Briefkästen jedoch stehen hier am Straßenrand. Offen. Für alle zugänglich.

Auf Bruny Island lassen wir unser Auto am Straßenrand stehen und machen eine dreistündige Schnellbootsfahrt, um die Insel aus dieser Perspektive kennen zu lernen. Hier, wo die Tasman Sea in den Südlichen Ozean übergeht, ist der Wellengang häufig tosend wild. So erhalten wir zu Begrüßung "einen Doppelten". Keinen Whisky, sondern Ginger-Kautabletten, die gegen Seekrankheiten wirksam sein sollen. So kann man mit ruhigem Magen die rauen und schroffen Felsen beobachten und die durch die Brandung geformte Küste bewundern. Und natürlich die Hauptattraktion der Tour genießen: sich über tausende, sich in der Sonne räkelnden, kampflustigen, und leider stinkenden Seehunde und einige Delphine freuen, die auf dem Rückweg unser Boot verfolgen.Ein letztes eindrucksvolles Tiererlebnis.

Begegnung mit den Zwergpinguinen. Wieder will der Zufall, dass wir in letzter Sekunde über ein außergewöhnliches Ereignis in Kenntnis gesetzt werden. Kaum erreichen wir unsere Unterkunft an der Nordküste, erfahren wir, dass man unweit von hier Zwergpinguine beobachten kann, die nach der Dämmerung dem Meer entsteigen und zu ihren Nestern watscheln. Es ist eine geführte Tour unter der Leitung eines Tierschützers und nur auf Anfrage. Ehrenamtlich. Für kleine Gruppen. Es ist kurz vor 21.30 Uhr. Langsam wird es dunkel. Ohne vorher anzurufen, probieren wir unser Glück. Wir wandern an der Küste entlang und entdecken in der Dunkelheit plötzlich herum schweifendes, rotes Licht. Was stand im Reiseführer? Blitzlicht ist verboten. Nur Taschenlampen mit rotem Licht sind erlaubt. Das müssen sie sein. Die Begeisterung hält sich bei unserer Ankunft beim japanischen Führer in Grenzen. Wie wir hierher geraten sind...? Wir sind zu acht. Schweigend sitzen wir auf einer Holzbank, die neben der Pinguin-Route aufgestellt ist. Sie werden also direkt an uns vorbeilaufen. Nur Geduld. Sie verlassen das Wasser erst bei Dunkelheit, damit sie nicht so leicht den Raubtieren zum Opfer fallen. Wir harren laut- und bewegungslos in der nächtlichen Kälte aus. Nur der Mond und unzählige Sterne leuchten. Plötzlich watscheln die befrackten Pinguine in großen Gruppen aus dem Wasser. Unser Guide weiß ganz genau, wann und in welche Richtung er leuchten soll. Einige Pinguine bleiben unterwegs stehen und warten. Unser Führer erklärt flüsternd: sie warten auf ihren Partner. Wenn sie nicht gemeinsam aus dem Wasser steigen, warten sie am Ufer aufeinander, bevor sie sich schwankend auf den Weg zu ihren Nestern begeben. Tief gerührt schweigt die ganze Gruppe. Man vergisst die Kälte und alles Unwichtige um sich. Und die 30 cm kleinen Höhlenbrüter marschieren - zum Greifen nah - an uns vorbei. Als der Strand leer ist, dürfen wir unserem Guide folgen, der uns einige Pinguinen-Familien zeigt. Ungeduldig attackieren die frechen, flauschigen Küken ihre Eltern. Endlich soll ihr Hunger gestillt werden... Dann ist es 23.30 Uhr. Ob wir mit dem Gesehenen zufrieden seien? Unvergesslich...Es gibt so viel zu sehen in diesem großen, weiten, wunderbaren Land. Wenn nur die Zeit nicht so begrenzt wäre... Ob wir jetzt an das Auswandern denken, fragt man uns nach unserer Rückkehr, als wir begeistert über die Erlebnisse berichten. Nein. Daran haben wir nie gedacht. Weder davor noch während unseres Aufenthalts. Und erst recht nicht danach. Aber unsere Sicht hat sich wieder geweitet. Verändert. Australien = Down Under? Von wegen!!

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